Dienstag, 31. August 2010

Integration, Elternhaus und Zukunftschancen


Nachdem ich die ganze politische Sommerpause sehr schreibfaul war, frage ich mich, was an den derzeit überall diskutierten Floskeln über die Zukunftschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund so dran sein kann, wie alles in allem (wie immer) zusammenspielt und wie gerade in diesem Zusammenhang doch kein Politikfeld ohne das andere erfolgreich sein kann.

Ich komme zu dem Schluß, dass es kaum eine Rolle spielt, ob man einen Migrationshintergrund hat oder nicht.

Immer ausschlaggebend ist die Basis, die einen durch die eigenen Eltern vermittelt wird. Und das ist für mich des Pudel's Kern:

Beispiel: Wenn libanesische Eltern in Berlin-Neukölln Kinder haben und sie sich mit den Gegebenheiten (nicht den Gepflogenheiten) in Deutschland vertraut gemacht haben (nicht unbedingt weil sie sich selbst dafür interessieren, sondern vorallem weil sie sich für die Zukunft(schancen) ihrer Kinder interessieren), dann merken sie sehr schnell, dass es nicht ohne Sprache geht. Dann merken sie, dass "der Deutsche" heutzutage nicht mehr als der Pascha durch's Leben gehen kann, wie er das vielleicht noch in den 1950ern konnte. Und dann spüren sie in sich auch die Bereitschaft, ihr Kind so zu erziehen, dass es in dieser Gesellschaft, in diesem Land, problemlos zurecht kommen wird.

Heißt im Umkehrschluss:
Tun sie das nicht, fehlt ihnen eine grundlegende Fähigkeit, die gute Eltern haben:

Erziehungskompetenz

Und da komme ich gerne zum nächsten Punkt: Sachkenntnis in der Kommunalpolitik


Der von mir grundsätzlich sehr geschätzte Landrat Simon Wittmann hat in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 22. April gesagt, dass er den Eindruck habe, dass immer mehr Eltern nicht nur erziehungsunfähig sind, sondern dass sie erziehungsunwillig sind.

"erziehungsunwillig" ist nun ein Wort, dass es so nicht geben kann: Ein jeder und eine jede, die erziehungsfähig ist, weiß auch, dass "man" dann auch dahinter sein muss und nicht die Kinder sich selbst überlassen kann. Das wissen deutschstämmige Eltern genauso wie Eltern anderer Herkunft.

Der dritte Aspekt dieser Betrachtung ist für mich, dass es nun mal so ist, dass die Zahl der erziehungsunfähigen Eltern dadurch zunimmt, dass die bildungsfernen Schichten überdurchschnittlich mehr Kinder haben als das die Menschen mit hoher Bildung sind. Wenn ich die Zahl richtig im Kopf habe, sind es 29% aller Akademiker-Paare in Deutschland, die sich gegen Kinder entscheiden.

Das könnte man nun noch trefflich weiter ausführen, aber ich will beim Thema bleiben: Wenn man also unterstellt, dass die Mehrzahl der Eltern aus bildungsfernen Schichten selbst erziehungsinkompetent ist (dieses Wort will ich hier mal konstruieren), dann können aus einer solchen Familie bzw. aus einem solchen Eltern Elternhaus keine Kinder entstehen, die selbst mal erziehungskompetent werden und klar sehen, wie sie ihre Prioritäten setzen müssen, wenn sie ein "sorgenfreies Leben" führen wollen.

Also stellt sich die Frage: Was tun mit "denen"? Aktuelle Politik ist es, diese jungen Menschen ihrem Schicksal selbst zu überlassen.

Sozialdemokratische Politik in den 60ern und 70ern war es, "Bildung für alle" nicht nur zu propagieren, sondern auch umzusetzen (auch hier wäre eine ausschweifendere Betrachtung des Bayerischen Bildungssystems mehr als angebracht, aber das würde zu weit führen).

Derzeitige Politik in Bayern und Deutschland ist es aber (und darin sehe ich einen wesentlichen Aspekt des Problems), den Kommunen in Deutschland die Finanzmittel immer mehr zu kürzen, sodass ein erheblicher Teil der deutschen Kommunen praktisch pleite ist und es sich nicht mehr leisten mag, soziale Projekte am Leben zu erhalten, die nur mit öffentlichen Mitteln überlebensfähig sind.

Der Staat (hier: der Bund und das Land) nimmt es nach meiner Auffassung also billigend in Kauf, dass durch seine (Ausgaben-)Politik die Spirale immer weitergedreht wird.

Prioritär müsste der Staat also im Endeffekt vieles liegen lassen und sich vorallem auf diesen Sektor konzentrieren, wenn er denn tatsächlich will, dass alle Menschen gleich sind.

Einen Finanzierungsvorschlag hätte ich auch schon: Spitzensteuersatz auf 49%, Wiedereinführung der privaten Vermögenssteuer und diese Mittel moderat zum Abbau der horrenden Staatsschulden verwenden, vorallem aber zielgerichtete Weitergabe der zusätzlichen Mittel an die Kommunen. Das klingt vielleicht in manchen Ohren etwas ungewöhnlich, ist für mich aber der Schlüssel zum Glück!

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