
Vor ein paar Wochen habe ich ihm noch alles Gute für seine Krebsoperation gewünscht, heute hat er seinen Rückzug erklärt:
Oskar Lafontaine verlässt die große Bühne.
Was bleibt, wenn einer wie Oskar Lafontaine geht?
Für mich persönlich bleiben eine Menge Erinnerungen - an den Putsch am Bundesparteitag 1995 gegen Rudolf Scharping. Ich war gerade in die SPD eingetreten und wusste gar nicht, wie ich sowas einordnen soll.
1997 das Foto mit Schröder samt Frauen an der Saarschleife. Die Bilder vom Wahlabend am 27. September 98 - was war das für ein Abend! Sein Rücktritt von allen Ämtern, dann die Fotos mit Carl Maurice auf seinem Balkon, SPD-Austritt, WASG, Linkspartei, all diese Szenen. Ich habe schon oft gesagt, dass ich glaube, dass er bei seinem Rücktritt einen eventuellen Machtkampf mit Gerhard Schröder gewonnen hätte, so sehr stand meine Partei damals hinter diesem Mann.
Was bleibt, ist auch eine Lücke. In der Linkspartei wohl auch, in der Darstellung sozialdemokratischer Werte aber im Besonderen. Unsere ureigenste Nähe zur Arbeitnehmerschaft vertritt in der SPD-Bundestagsfraktion ein Ottmar Schreiner, auch ein Werner Schieder. Beide sind, wie Lafontaine, schon über 60 ...
Was aber wirklich in mir bleibt, ist seine innerste politische Überzeugung. Er mag ein Mensch gewesen sein, der neben seinem Humor und seinem genossenschaftlichen Auftritten auch seine etwaige Arroganz ausgezeichnet haben.
Trotzdem stand er wie kaum ein anderer für die Grundwerte der SPD. Er ist wohl aus der SPD ausgetreten, als er gemerkt hatte, dass sich die SPD schon zu weit von ihren Grundwerten entfernt hatte, als dass er sie in den ihm noch verbleibenden Jahren wieder dahin hätte holen können, wo er sie mal hatte.
Und das war und ist auch mein Hauptkritikpunkt an der Figur Oskar Lafontaine: Er fehlt ihm offenbar die politische Kraft, auch Täler zu durchschreiten und die Partei - die SPD - am der Sohle des Tales den steilen Abhang hinauf zu schleppen. Das war wohl nicht seine Welt, das war wohl nicht sein innerer Antrieb.
Lafontaine's Inhalte und Werte unterschreibe ich uneingeschränkt. Sein Mut, sich Herauforderungen zu stellen, scheint mir eher begrenzt.
Ich sehe es sehr als meine Mission, die Partei wieder auf diesen Berg zu führen. Und ich freue mich schon heute, wenn wir oben am Kamm die ersten Meter nehmen und wir der sozialen Demokratie gepaart mit dem demokratischen Sozialismus wieder so richtig Geschwindigkeit verleihen!

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