Samstag, 20. November 2010

Wasserstand Grenzdokumentationszentrum


Soderla, jetzt noch ein paar Gedanken zur heutigen Veranstaltung aus inhaltlicher Sicht:

Ohne Zweifel war das heute eine bombastisch gute Veranstaltung. Die BIMA war hochwertig vertreten, die politischen Vertreter waren vollständig und hochwertig anwesend und dazu kommt, dass auch der heimatkundliche Arbeitskreis um Josef Forster wieder einen perfekten Auftritt hingelegt hat. Das Medieninteresse war super, die Kontakte mit den Medienvertretern waren heute von deren Seite so richtig ehrlich gemeint und das hat mich richtig beeindruckt.

Vom inhaltlichen her hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben heute ihre Position sehr plausibel dargelegt. Wir sind gemeinsam mit Annette Karl, Werner Schieder, Ismail Ertug und unseren tschechischen Freunden auf einem richtig guten Weg. Danach meinte eine Teilnehmerin zu mir: "Merkst Du, wie viel Arbeit da noch auf Dich zukommen wird, für die Du nie einen Dank erhalten wirst?". Ja, merke ich schon. Aber es wird lohnend sein.

Ich fand es heute auch super, dass mit Josef Schmucker und Georg Kleber zwei Vertreter der UWG-Fraktion dabei waren. Das zeigt mir schon, dass es ein gewisses Interesse an der Arbeit um der Sache willen geht und es nicht immer nur um den eigenen Soog geht. Ich hatte alle Mitglieder des Marktrates schriftlich über unsere Aktivitäten informiert und alle schriftlich zur heutigen Veranstaltung eingeladen. Auch den hiesigen Bürgermeister. Dass Josef Schmucker und Georg Kleber heute gekommen sind, fand ich daher wirklich super. Ansonsten ->

Klar, Bürgermeister Schwarzmeier war nicht dabei. Ich hätte eigentlich schon damit gerechnet, dass er kommt, weil die Veranstaltung zu hochwertig war, als dass man sie sich entgehen lassen sollte. Und zu wegweisend ohnehin.

Er wird für mich immer mehr zum Inbegriff der Art und Weise, wie sich Politik oftmals selbst ins Abseits stellt. Diese fiese Winkelziehen, dieses Abwarten, Maulhalten, keine Meinung haben und schon gar nicht vertreten, ich bin froh, dass das nicht unser Weg ist. Ich komme in den letzten Monaten immer mehr auf den Trichter, dass politische Kultur, also die Art und Weise des Umgangs miteinander ganz entscheidend für politischen Erfolg in der Sache ist. Und ich kann nicht mehr anders, als dann immer davon zu erzählen, wie es bei uns in Waidhaus ist: Eigentlich verstehen wir uns ganz gut im Gemeinderat, bzw. wir haben uns (so glaube ich) echt zusammengerauft. Es entsteht aber trotzdem eine gewisse Distanz nur wegen einer einzigen (weil maßgeblichen) Figur.

Ich denk mir manchmal, dass Politik wie eine frische Brise ist, wenn man sich ihr stellt und seine Meinung hat. Manchmal regnet es einen zwar auch an, aber das hält man locker aus, weil einen die frische Brise doch immer wieder entschädigt. Arm sind dann eigentlich die jenigen, die diese "politischen Witterungseinflüsse" niemals wahrnehmen werden, weil sie in ihrem Kämmerlein sitzen und warten, was passiert.

Eins hab ich mir heute noch gedacht: Die BIMA hat heute sehr plausibel dargestellt, dass sie nicht die treibende Kraft ist, was den Rückbau der Anlagen am ehemaligen Grenzübergang anbelangt. MdB Albert Rupprecht war ja vor mehreren Wochen auch am GüG Waidhaus in der Sache zu Gast. BIMA und Straßenbauverwaltung waren auch dabei. Ich wundere mich, dass die Abstimmungsschwierigkeiten nicht schon damals aus dem Weg geräumt werden konnten und ich frage mich, was von Seiten der Schwarzen seitdem passiert ist. Das klingt jetzt vielleicht polemisch - ist aber ganz und gar nicht so gemeint.

Wir werden unsere Schlüsse aus der heutigen Veranstaltung ziehen und wir wissen, was wir zu tun haben.

Freundschaft!


"Freundschaft!" ist ein Gruß unter Sozialdemokraten, den wir in den 1920er Jahren aus der Arbeitersportbewegung übernommen haben und der unter "eigfleischten" Sozis auch heute noch verwendet wird.

Wahrscheinlich deshalb, weil man in der Sozialdemokratie zu besonderen Anlässen oder manchmal einfach dieses Gefühl verspürt, wenn man miteinander zu tun hat.

Heute habe ich das Gefühl sehr deutlich gespürt: Wir hatten heute eine sehr hochwertige Veranstaltung bezüglich unseres Grenzdokumentationszentrums am ehemaligen Grenzübergang. Auf Vermittlung unseres Europaabgeordneten Ismail Ertug waren dazu auch der tschechische Europaabgeordnete Pavel Poc aus Marianske Lazne und Senator Miroslav Nenutil aus Stribro geladen.

Wir kennen Miroslav Nenutil dank Margit Kirzinger schon lange: Margit Kirzinger und Mira Nenutil sind unsere Pioniere, was das deutsch-tschechische Miteinander in der Sozialdemokratie angeht. Er unterstützt uns immer, wenn wir seine Unterstützung brauchen und man merkt ihm bei jeder Gelegenheit an, dass er einfach er selber ist und er es total gerne und von Herzen tut.

Bei Pavel Poc ging es mir heute ähnlich: Wir haben uns zwar heute das erste Mal getroffen, aber auch ihm habe ich heute deutlich angemerkt, dass er ein echter Europäer ist und ihm auch daran gelegen ist, dass zwischen Deutschland und Tschechien etwas entsteht, was vor zwei Generationen selbstverstänlich war.

Es ist mal wieder ein verdammt gutes Gefühl, Sozialdemokrat zu sein.

Sonntag, 24. Oktober 2010

Macht im Kontext


In den letzten Wochen bestand mein politisches Leben zum Einen aus Kontaktpflege, die mir sehr viel Freude bereitet, zum Anderen in Bemühungen um konkrete Projekte. Eines davon ist die Bemühung um die Errichtung eines Grenzdokumentationszentrums am ehemaligen Grenzübergang in Waidhaus.

Ich merke, dass es mir relativ leicht fällt, "in der Politik" Gehör zu finden und auch, etwas zu bewegen. Ich merke aber auch, dass es praktisch unmöglich ist, etwas zu realisieren, wenn man keine wirkliche Macht hat.

"Macht" ist ein relativ negativ belasteter Ausdruck, weil Macht schon schrecklich oft missbraucht wurde. Ich denke mir in letzter Zeit aber oft, wie viel Gutes man tun könnte, wenn man Macht, oder zumindest eine politische Mehrheit hätte.

All unsere Mühen um das Waidhauser Grenzdokumentationszentrum werden im Endeffekt wohl scheitern, weil der "Machthabende" Bürgermeister Schwarzmeier kein Interesse daran hat. Auch wenn es in den Medien anders erscheint.

Nach der letzten Gemeinderatssitzung habe ich lange nachgedacht. Ich habe meinen und seinen Weg überlegt und bin zu dem Schluss gekommen, dass Politik immer eine Frage des Charakters ist - egal auf welcher Ebene man sich bewegt.



Es vergeht kein Tag ohne Kontakt mit Poltikern. Etwa 80% sind mir immer eine Freude. Ich finde es einfach toll, wenn sich Menschen einzig dem verschreiben, für andere Menschen eine Verbesserung zu erreichen.

Diese Woche war ich auf der Sitzung des Rettungszweckverbandes Nordoberpfalz: Eine Sitzung, die zwar sehr unstrittig war, auf der sich aber mit Sicherheit viel Verantwortung auf relativ wenig Schultern verteilt hat. Wir haben perfekt entschieden, obwohl von jeder der Parteien nur wenige Vertreter beteiligt waren. Jeder Verbandsrat war sich seiner Verantwortung bewust. Macht wurder perfekt gehandelt. Ganz egal, welcher Partei man angehört.

Zur Demokratie gehört wohl auch, dass die Menschen (die Wähler) entscheiden, wer an die Hebel der Macht gelangt. Das ist gut so und ich akzeptiere diese Entscheidung auch uneingeschränkt.

Ich glaube aber auch unumstößlich, dass Macht nur in die Hände von Menschen gelangen darf, die qualifiziert und in der Lage sind, auch damit umzugehen. Das gilt in der Kommunalpolitik genauso wie in der großen Weltpolitik.

Bei mir im Gemeinderat merke ich derzeit sehr deutlich, wie katastrophal es ist, wenn "man" (in Person des Bürgermeisters) unvorbereitet mit Macht, Verantwortung und Politik in Verantwortung kommt.

Andererseits hat mir heute ein junger Genosse eine Mail geschrieben, den ich für die sozialdemokratische Kommunalakademie gewinnen konnte - jene Institution, die meine Sicht der Dinge auch komplett verändert hat. Er hat geschrieben: "Es macht Spaß, die Gruppe ist sehr produktiv und ehrlich, ich freue mich, Dir am Ende ein Feedback geben zu können".

Das lässt mich einfach hoffen, dass Macht in Zukunft in guten Händen sein wird ...

Donnerstag, 9. September 2010

Die Rolle der Medien: zur Nachhaltigkeit von Politik


Einerseits sind die Türken und Libanesen in Berlin-Neukölln wirklich weit weg von uns. Andererseits fallen einem die eigenen Integrationsfälle ins Auge und betreffen einen selbst:

Gestern hat meine Tochter erzählt, dass sie im Kindergarten eine Neue haben "Die kommt aus Tschechland" hat sie gesagt. Wie sie heißt wusste sie gestern noch nicht. Heute wusste sie schon wie sie heißt und heute hat sie ihr ein Bild gemalt, dass sie ihr morgen schenkt. Obwohl ihre Freundinnen nicht mit der neuen spielen wollen, meinte sie: "Ich spiel schon mit ihr, die soll's ja leicht haben bei uns in Deutschland". Da treibt's einem echt die Tränen in die Augen. Das hat mich heute so sehr gefreut wie kaum was, dass sie bisher so gemacht und erzählt hat.

Heute habe ich mir die Diskussionsrunde von Maybrit Illner angesehen, in der unter anderem mein Parteivorsitzender Sigmar Gabriel zu Gast war. Ich fand ihn heute super, weil er sehr bemerkenswerte Sätze gesagt hat:

Dass Migranten irgendwann in Deutschland ankommen und Politik ihnen die Chance geben muss, von Deutschland abgeholt werden zu können.

Ich glaube, dass Deutschland heute im Waidhauser Kindergarten eine Migrantin abgeholt hat. Ich glaube aber auch (und verweise auf meinen letzten Post, dass Bildung der Schlüssel zum "Glück" ist)

Dass Politik nicht immer nur bei Eruptionen aufmerksam werden darf, sondern dass es (auch und nicht zuletzt in den Medien) einer Kontinuität bedarf, wenn es um die Beackerung wichtiger Themen geht. Gabriel hat das heute in etwa so formuliert:

"Warum kontrollieren die Medien die Politik nicht einfach in dem sie sagen: Das habt ihr versprochen, das habt ihr gemacht und das ist daraus geworden".


Das halte ich für sehr bemerkenswert: Das ist in meinen Augen der verfassungsgemäße Auftrag der Medien und so muss Politik in meinen Augen im Idealfall sein: Es gibt ein Wahlprogramm, oder Versprechungen oder was auch immer:

Auf dieser Basis geben die Wähler der Politik einen Vertrauensvorschuss in Form ihrer Stimme, woraus (Regierungs-)Verantwortung entsteht. Kurz vor der nächsten Wahl zieht das Volk (respektive "der Wähler") Resumee: Haben sie es gemacht oder haben sie es nicht gemacht? Und auf Basis dieser Frage treffen die WählerInnen ihre Wahlentscheidung. Das wäre für mich Demokratie in Reinform!

Egal, ob es Integration oder jedes andere Politikfeld betrifft: So müsste es laufen!

Dienstag, 31. August 2010

Integration, Elternhaus und Zukunftschancen


Nachdem ich die ganze politische Sommerpause sehr schreibfaul war, frage ich mich, was an den derzeit überall diskutierten Floskeln über die Zukunftschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund so dran sein kann, wie alles in allem (wie immer) zusammenspielt und wie gerade in diesem Zusammenhang doch kein Politikfeld ohne das andere erfolgreich sein kann.

Ich komme zu dem Schluß, dass es kaum eine Rolle spielt, ob man einen Migrationshintergrund hat oder nicht.

Immer ausschlaggebend ist die Basis, die einen durch die eigenen Eltern vermittelt wird. Und das ist für mich des Pudel's Kern:

Beispiel: Wenn libanesische Eltern in Berlin-Neukölln Kinder haben und sie sich mit den Gegebenheiten (nicht den Gepflogenheiten) in Deutschland vertraut gemacht haben (nicht unbedingt weil sie sich selbst dafür interessieren, sondern vorallem weil sie sich für die Zukunft(schancen) ihrer Kinder interessieren), dann merken sie sehr schnell, dass es nicht ohne Sprache geht. Dann merken sie, dass "der Deutsche" heutzutage nicht mehr als der Pascha durch's Leben gehen kann, wie er das vielleicht noch in den 1950ern konnte. Und dann spüren sie in sich auch die Bereitschaft, ihr Kind so zu erziehen, dass es in dieser Gesellschaft, in diesem Land, problemlos zurecht kommen wird.

Heißt im Umkehrschluss:
Tun sie das nicht, fehlt ihnen eine grundlegende Fähigkeit, die gute Eltern haben:

Erziehungskompetenz

Und da komme ich gerne zum nächsten Punkt: Sachkenntnis in der Kommunalpolitik


Der von mir grundsätzlich sehr geschätzte Landrat Simon Wittmann hat in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 22. April gesagt, dass er den Eindruck habe, dass immer mehr Eltern nicht nur erziehungsunfähig sind, sondern dass sie erziehungsunwillig sind.

"erziehungsunwillig" ist nun ein Wort, dass es so nicht geben kann: Ein jeder und eine jede, die erziehungsfähig ist, weiß auch, dass "man" dann auch dahinter sein muss und nicht die Kinder sich selbst überlassen kann. Das wissen deutschstämmige Eltern genauso wie Eltern anderer Herkunft.

Der dritte Aspekt dieser Betrachtung ist für mich, dass es nun mal so ist, dass die Zahl der erziehungsunfähigen Eltern dadurch zunimmt, dass die bildungsfernen Schichten überdurchschnittlich mehr Kinder haben als das die Menschen mit hoher Bildung sind. Wenn ich die Zahl richtig im Kopf habe, sind es 29% aller Akademiker-Paare in Deutschland, die sich gegen Kinder entscheiden.

Das könnte man nun noch trefflich weiter ausführen, aber ich will beim Thema bleiben: Wenn man also unterstellt, dass die Mehrzahl der Eltern aus bildungsfernen Schichten selbst erziehungsinkompetent ist (dieses Wort will ich hier mal konstruieren), dann können aus einer solchen Familie bzw. aus einem solchen Eltern Elternhaus keine Kinder entstehen, die selbst mal erziehungskompetent werden und klar sehen, wie sie ihre Prioritäten setzen müssen, wenn sie ein "sorgenfreies Leben" führen wollen.

Also stellt sich die Frage: Was tun mit "denen"? Aktuelle Politik ist es, diese jungen Menschen ihrem Schicksal selbst zu überlassen.

Sozialdemokratische Politik in den 60ern und 70ern war es, "Bildung für alle" nicht nur zu propagieren, sondern auch umzusetzen (auch hier wäre eine ausschweifendere Betrachtung des Bayerischen Bildungssystems mehr als angebracht, aber das würde zu weit führen).

Derzeitige Politik in Bayern und Deutschland ist es aber (und darin sehe ich einen wesentlichen Aspekt des Problems), den Kommunen in Deutschland die Finanzmittel immer mehr zu kürzen, sodass ein erheblicher Teil der deutschen Kommunen praktisch pleite ist und es sich nicht mehr leisten mag, soziale Projekte am Leben zu erhalten, die nur mit öffentlichen Mitteln überlebensfähig sind.

Der Staat (hier: der Bund und das Land) nimmt es nach meiner Auffassung also billigend in Kauf, dass durch seine (Ausgaben-)Politik die Spirale immer weitergedreht wird.

Prioritär müsste der Staat also im Endeffekt vieles liegen lassen und sich vorallem auf diesen Sektor konzentrieren, wenn er denn tatsächlich will, dass alle Menschen gleich sind.

Einen Finanzierungsvorschlag hätte ich auch schon: Spitzensteuersatz auf 49%, Wiedereinführung der privaten Vermögenssteuer und diese Mittel moderat zum Abbau der horrenden Staatsschulden verwenden, vorallem aber zielgerichtete Weitergabe der zusätzlichen Mittel an die Kommunen. Das klingt vielleicht in manchen Ohren etwas ungewöhnlich, ist für mich aber der Schlüssel zum Glück!

Donnerstag, 24. Juni 2010

so solide


Letzte Woche durfte ich das erste Mal an der Vertreterversammlung unserer hiesigen Raiffeisenbank teilnehmen. In der perfekten Unternehmensform "Genossenschaft" sowas wie die Jahreshauptversammlung.

Und für mich im Grunde auch mein erster ernsthafter Kontakt mit Bankern (Bänkern). Ich muss sagen, dass ich nicht so recht wusste, was mich da erwartet. Im Endeffekt war es ein Saal voller Leute, die wohl allesamt einen sehr interessanten und auch durchaus beruhigenden Abend verbracht haben.

Warum? Darum: Selbst in der größten Wirtschafts- und Finanzkrise hat es die Raiffeisenbank geschafft, im Sinne ihrer Kunden zu wirtschaften, bzw. im Kreditgeschäft stark engagiert zu sein. Bei der Vorstellung des Geschäftsberichts hab ich mich noch gefragt: "Wie kann das nur sein?" und hab die Antwort auch prompt erhalten: Es war meinem Eindruck nach ganz einfach die Tatsache, dass die dortige Führung sich auf das ureigenste Bank-Geschäft konzentriert hat. Dass sie ultra-solide waren und es nach wie vor sind.

Der Vorstandsvorsitzende hat dann in seinem Bericht provokativ gesagt: "Und jetzt unterhalten wir uns mal darüber, wann unser Geld kaputt wird". Was er mit dieser süffisanten Einleitung dann in kurzer Zeit (vielleicht 10 Minuten) vorgetragen hat, war das mit Abstand Beste, was ich je einen, der unmittelbar mit dem Finanzmarkt zu tun hat, sagen gehört habe. Unglaublich - ich habe nur noch gestaunt.

Er hat absolut griffig und verständlich erklärt, warum eine Währung nicht kaputt gehen kann. Er hat die Panikmache um die Kaputtbarkeit des Euro mit einem Handstreich vom Tisch gewischt und auch längerfristige Entwicklungen und Währungsschwankungen, sowie den Einfluss von Spekulationen erklärt. Ein Banker erklärt, dass hinter einem (finanziellen) Vorteil auch immer Produktivität stehen muss und ein Gewinn im Grunde niemals virtueller Natur sein kann! Ich war wirklich begeistert und habe mir gedacht: "Wer so viel Ahnung und Verständnis vom Zusammenspiel von Finanzmarkt und Volkswirtschaft hat, wer alles so klar sieht, bei dem ist mein Geld wirklich gut aufgehoben".

Sicherlich gibt es solche Leute auch bei unseren Sparkassen, keine Frage. Nur kann ich das einfach nicht so beurteilen, weil mir da der Einblick fehlt. Aber egal ob Raiffeisenbank oder Sparkasse: Wären alle Banken nur halb so solide wie diese beiden es sind - es hätte nie zu einer Krise kommen können.

Die Targo-Bank wirbt mit dem Slogan: "So geht Bank heute". Ich habe keine Ahnung, wer die Targo-Bank ist und woher sie kommt. Aber als ich aus unserem schönen Raiffeisen-Gebäude rausgegangen bin, hab ich mir so gedacht:

So geht Bank heute! Großes Kompliment!

Sonntag, 2. Mai 2010

30. April 2009



Der Fall des bei einem Polizeieinsatz in Regensburg getöteten Studierenden Tennessee Eisenberg bewegt seit ziemlich genau einem Jahr die Oberpfalz. Immer wieder. Immer wieder stellt sich die Frage, wie es sein konnte, dass dieser jungen Mann so ausgeflippt ist, dass er seinen Mitbewohner mit einem Messer bedroht hat, dass er auf die herbeieilenden Polizeibeamten mit dem Messer los ging, dass die Einsatzmittel Schlagstock und Pfefferspray nicht wirkten und dass am Ende die tödlichen Schüsse auf ihn fielen.

In meiner Funktion als Sprecher des Arbeitskreises Polizei in der OberpfalzSPD habe ich in Abstimmung mit den Mitgliedern heute eine Pressemeldung verfasst, die ich hier veröffentlichen will, weil ich ja nicht weiß, was davon in der Presse im Endresultat übrig bleibt.

LINK ZUR PRESSEMELDUNG

Was mich in dieser Angelegenheit so sehr antreibt, ist die Frage, wieso die sich äußernde Öffentlichkeit nicht in Betracht zieht, dass den eingesetzten Kollegen nichts anderes übrig blieb, als zu schießen? Und ob es Menschen gibt, die meinen, dass es für Polizeibeamte "normal" ist, auf andere Menschen zu schießen. In der Presse wurde die Notwehr-These, die Innenministerium und Staatsanwaltschaft von Anfang an vertraten, schon oft angezweifelt. Das heißt für mich im Umkehrschluss:

Wer zweifelt, dass es Notwehr war, der hält es latent für möglich, dass die Kollegen den Tennessee Eisenberg vorsätzlich erschossen haben. Fahrlässig kann es unmöglich gewesen sein, wenn man 16 Schüsse abfeuert. Also entweder Notwehr oder vorsätzliche Tötung. Andere Optionen sehe ich nicht.

Teile der Presse und Teile der Politik zweifeln die Notwehr-These öffentlich an, ziehen demnach die These der vorsätzlichen Tötung in Betracht. Mein Gott! Ich frage mich, ob die überhaupt wissen, was sie da sagen? Das heißt für mich, dass die Beamten mit der Einstellung "den bolzen wir um" da reingegangen sind. Das wäre dann sozusagen eine Verabredung von 8 Polizisten zum gemeinschaftlich begangenen Mord. Ich frage mich, ob jemand wirklich glaubt, dass sich in Regensburg 8 Polizisten zu einem Mord verabreden (noch dazu sehr sehr kurzfristig, der Einsatz war ja nicht absehbar)?

Ich verweise an dieser Stelle auf die sehr informative Darstellung in einem Beitrag von SpiegelTV, in der ab 3:55 Minuten die Situation sehr anschaulich dargestellt wird.

Aber nochmal zurück zum Zweifel an der Notwehr-These: Wenn man also in Betracht zieht, dass Herr Eisenberg von den Kollegen vorsätzlich erschossen wurde - was wäre ein mögliches Motiv?

Wie die Staatsanwaltschaft bin auch ich in meinen langen Überlegungen zu der festen und umumstößlich Überzeugung gekommen, dass es nur Notwehr gewesen sein kann. Wenn also zwei Polizeibeamte einen Menschen aus Notwehr erschießen - was wird dann mit den Polizeibeamten, den Menschen, die da Frühschicht hatten am 30. April letzten Jahres?

Ich weiß aktuell nicht, was aus den Kollegen geworden ist, ob und wo sie Dienst machen. Sie müssen sich aber vorkommen wie Killer, so sehr wie die Notwehr-These angezweifelt wird. Ich weiß auch nicht, ob die Kollegen Familie haben. Eigentlich wünsche ich es Ihnen, im konkreten Fall hoffe ich es schon beinahe nicht.

Ich kann mich gut erinnern. Ich musste bisher zweimal meine Waffe ziehen. Beide Male nur zur Eigensicherung bei Haftbefehlen. Einmal ein Mörder in Reichenhall, einmal ein Todschläger in Waidhaus. Beide Male habe ich mir gedacht: "Was tust Du, wenn der jetzt zielstrebig auf Dich zugeht oder er selbst eine Waffe zieht?". Beide Male habe ich gut überstanden.

Wie sich das Leben verändert, wenn man gezwungen wird, dann den Abzug zu drücken - ich will es mir gar nicht vorstellen.

Eigentlich möchte ich noch auf die Statements der sich äußernden Politiker eingehen, aber ich erspare es mir. Was mein oberster Dienstherr in der Sache so sagt, das kommentiere ich (auf Anraten) auch noch nicht.

Es ist mir aber ein totales Anliegen, mich vor die Kollegen zu stellen, die geschossen haben. Zu sagen, dass sie vor der Entscheidung standen: "Wer stirbt? Das polizeiliche Gegenüber (weil wir schießen) oder unser Kollege (weil er ihm das Messer reinrennt)?

Und ich möchte auch sagen, dass ich wohl genauso gehandelt hätte, wie die Kollegen handeln mussten. Und ich hätte wohl auch mein ganzes Magazin leer geschossen, wie es die beiden Kollegen getan haben. Warum? Ich verweise nochmal auf den Beitrag von SpiegelTV - weil in diesem engen Treppenhaus, in diesen 2 oder 3 Sekunden einfach keine Zeit dafür war, einen gezielten Schuß abzufeuern, dann zu schauen ob er Wirkung erzielt hat, ggf. noch mal zu schießen, dann wieder zu schauen ob er Wirkung erzielt hat, usw.